Diabetes bei Kindern

Mit Diabetes leben lernen

In Deutschland leben ca. 25.000 Kinder und Jugendliche mit Diabetes, jährlich erkranken etwa 2500 Kinder neu. Diabetes im Kindes- und Jugendalter ist in über 90% durch einen autoimmunen Typ 1 Diabetes verursacht. Der Typ 2 Diabetes ist bei Kindern wesentlich seltener und tritt vor allem bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen auf. Darüber hinaus gibt es bei Kindern auch angeborene (genetische) Diabetes-Formen, die zu einer gestörten Bildung oder Ausschüttung von Insulin führen

 Aktuell wird eine Zunahme des Typ 1 Diabetes im Kindes- und Jugendalter beobachtet, wobei immer jüngere Kinder erkranken. Bis 2020 wird eine Verdoppelung der Neuerkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren erwartet. Die Ursachen dieser Autoimmunerkrankung sind bisher nicht vollständig verstanden und daher Gegenstand aktueller Forschung. Typ 1 Diabetes ist eine Erkrankung, die schicksalshaft auftritt und bisher nicht verhindert werden kann. Eltern und Kinder trifft daher keine Schuld an der Erkrankung.

Typ 2 Diabetes tritt vor allem bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen auf. In Deutschland sind gegenwärtig ca. 10% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, bei 4-8% der Schulkinder besteht sogar eine Adipositas. Die Vermeidung und Verringerung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter kann das Risiko für einen Typ 2 Diabetes reduzieren. Dabei können eine gesunde Ernährung, ausreichende körperliche Aktivität und eine Kontrolle des Essverhaltens zur Normalisierung des Blutzuckers beitragen.

Bei angeborenen Diabetesformen sind oft mehrere Familienmitglieder in mehreren Generationen von einem Diabetes betroffen. Diese Erkrankung kann auch schon bei Neugeborenen und Säuglingen auftreten. In diesen Fällen ist die Behandlung der sehr kleinen Kinder eine besondere Herausforderung. Zahlreiche neue Ursachen dieser angeborenen Diabetesformen konnten in den letzten Jahren entdeckt werden und deren Verständnis hat die Behandlung dieser Patienten mit Diabetes wesentlich verbessert.

Typ 1, Typ 2 oder andere - auf die individuelle Therapie kommt es an

Kinder und Jugendliche mit Diabetes benötigen eine besondere, individuelle und altersgerechte Behandlung. Dies gilt insbesondere für die Art und Weise, wie mit der Erkrankung umgegangen wird, schließlich müssen die Betroffenen in aller Regel ihr ganzes Leben mit Überwachung der Blutzuckerwerte, Berechnung der Kohlenhydrate in der Nahrung und Insulingabe zurechtkommen. Je früher und besser die Kinder und ihre Familien dies lernen, desto eher erreichen sie eine „normale“ Lebensqualität. Dabei spielt die altersadaptierte Vermittlung von Wissen im Rahmen strukturierter Diabetes-Schulungen eine entscheidende Rolle. Eine psychosoziale Unterstützung zur Umsetzung der Behandlungsziele und besseren Krankheitsakzeptanz ist in vielen Fällen erforderlich.

Kinder und Jugendliche machen im Rahmen von Wachstum und Entwicklung verschiedene Veränderungen durch. Diese Einflüsse von Wachstum, hormonellen Veränderungen und emotionaler (Un-)reife müssen in der Therapie berücksichtigt werden. Alterstypische Verhaltensweisen sind daher in besonderer Weise zu beachten - Kinder neigen nun einmal dazu, ganz spontan herumzutoben oder zu naschen. Die altersgerechte Behandlung von Diabetes ist also eine besondere Herausforderung, für Ärzte und Wissenschaftler ebenso wie für die Eltern und die betroffenen Kinder. Die Stiftung „Das zuckerkranke Kind“ möchte ihren Teil dazu beitragen, alle Beteiligten bei ihren Aufgaben zu unterstützen.