Typ-2 Diabetes und beeinträchtigte Glukoseregulierung

Diabetes Mellitus Typ-2 und beeinträchtigte Glukoseregulierung bei weißen, übergewichtigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Autoren:
M. Wabitsch, H. Hauner, M. Hertrampf, R. Muche, B. Hay, H. Mayer, W. Kratzer, K.M. Debatin, E. Heinze

Jüngste Studien melden eine gestiegene Verbreitung von Diabetes Mellitus Typ-2 bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, besonders innerhalb bestimmter ethnischer Untergruppen. Ziel dieser Studie war es, erstmals die Verbreitung des Diabetes Mellitus Typs II sowie der beeinträchtigten Glukose-Regulierung in einer großen Gruppe weißer, übergewichtiger, in Deutschland lebender Kinder und Jugendlicher zu bestimmen.

Im Rahmen der Untersuchung wurden bei einem beachtlichen Anteil der Patienten eine beeinträchtigte Glukoseregulierung und Diabetes Typ-2 festgestellt. Bei stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen mit einem BMI-SDS über 2,5 wird deshalb ein Diabetes-Screening empfohlen. Patienten, bei denen eine beeinträchtigte Glukoseregulierung festgestellt wurde, benötigen spezielle Behandlungsprogramme, um eine Verschlimmerung zum Diabetes zu verhindern.

Projektdetails

Ort und Zeitraum:

Kinderklinik der Universität Ulm, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München 1999-2003


Leitung:

Prof. Dr. Martin Wabitsch


Teilnehmer:

520 Probanden (237 Jungen und 283 Mädchen) mit einem Durchschnittsalter von 14 +/-2 Jahren (Bereich 8,9-20,4 Jahre), einem Body-Mass-Index über 97 sowie einem durchschnittlichen BMI-SDS von 2,7+/-0,5 (Bereich 1,9-4,6). Alle Patienten waren in eine stationäre Übergewichtseinheit eingeliefert worden.


Methodik:

Nach einem zweistündigen oralen Glukose-Toleranztest (1,75 mg Glukose pro Kilogramm Körpergewicht) wurden die Probanden zu einem Gewichtsverlustprogramm zugelassen, bei dem die Glukosekonzentration in den Kapillargefäßen gemessen wurde. Die Patienten wurden in die Kategorien normale Glukoseregulierung, beeinträchtigte Nüchternglukose, beeinträchtigte Glukosetoleranz und Diabetes eingestuft. Darüber hinaus wurde zur Bestimmung des zirkulierenden Insulins, der C-Peptide und Lipide nüchternes venöses Blut abgenommen. Die Insulinresistenz wurde anhand einer homöostatischen Modellbewertung geschätzt.


Ergebnisse:

  • Diabetes Typ-2 wurde bei 1,5 % der Patienten (Anzahl = 8) festgestellt, 2 Patienten wurden mit bereits diagnostiziertem Diabetes Typ-2 eingewiesen und 6 Patienten mit bislang unbekanntem Diabetes wurden identifiziert.
  • Beeinträchtigte Nüchternglukose wurde in 3,7 % der Fälle (Anzahl = 19) entdeckt, beeinträchtigte Glukosetoleranz bei 2,1% (Anzahl = 11) der Patienten.
  • Insgesamt wurde bei 6,7% der Patienten eine beeinträchtigte Glukoseregulierung oder Diabetes festgestellt (Anzahl = 35). Diese Patienten besaßen einen höheren Body-Mass-Index (BMI-SDS), höheres Nüchterninsulin und C-Peptide sowie einen höheren Insulinresistenzindex als Patienten mit normaler Glukoseregulierung.
  • Risikofaktoren bezüglich des Auftretens von beeinträchtigter Glukoseregulierung waren ein Body-Mass-Index (BMI-SDS) > 2,5 sowie eine positive Diabetesvorgeschichte der Eltern.
  • 23% aller Patienten mit DKA wiesen einen veränderten Bewusstseinsgrad auf, 10,9% von ihnen zeigten klinische Anzeichen von Koma. Es traten keine Todesfälle auf.
  • Der Anteil von Ketoazidose steigt nicht gleichzeitig mit der Zahl von Diabetesmanifestationen im Winter.

Publikationen:

Int J Obes Relat Metab Disord. 2004 Feb;28(2):307-13


Kontakt und weitere Informationen:

Prof. Dr. Wabitsch
Abteilung für Pediatrie
Universität Ulm
martin.wabitsch@medizin.uni-ulm.de